Muster - Wieso es dir so schwerfällt, dich klar abzugrenzen

Warum wir bei verletzenden Menschen in alten Mustern reagieren – statt uns klar abzugrenzen

Es ist ein paradoxes und schmerzhaftes Muster: Menschen, die uns nicht guttun, lösen in uns oft keine klare Abgrenzung aus – sondern ein Schweigen, ein Aushalten, ein inneres Erstarren. Nicht, weil wir das bewusst wollen. Sondern weil tief in uns alte Bindungsmuster wirken, geprägt von unseren inneren Kindern. Und manchmal zeigen uns gerade diese schwierigen Begegnungen, wo unser Herz noch Heilung sucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wir setzen verletzenden Menschen oft nicht die Grenzen, die wir bräuchten – nicht bewusst, sondern weil alte Bindungsmuster in uns aktiv werden.
  • Unsere inneren Kinder reagieren mit alten Strategien: anpassen, harmonisieren, hoffen – statt klar handeln.
  • Solche Situationen sind oft Wiederholungen früher Erfahrungen mit geliebten, aber verletzenden Bezugspersonen.
  • Hypnose und / oder EMDR helfen, diese Muster zu erkennen, das Nervensystem zu beruhigen und neue Entscheidungen möglich zu machen.
  • Wenn innere Kinder geheilt werden, gewinnen sie Kraft – und unterstützen uns dabei, klare und gesunde Grenzen zu setzen.

Wenn wir uns selbst nicht verstehen

Es gibt Situationen im Leben, in denen wir uns selbst nicht verstehen. Wir sehen klar, dass uns ein Mensch schadet – und dennoch gelingt es uns nicht, Grenzen zu setzen. Wir schweigen, obwohl wir innerlich nach Klarheit schreien. Wir hoffen auf Liebe oder Anerkennung, obwohl wir wissen, dass sie von dieser Person nie kommen wird.

Dieses Phänomen ist keineswegs selten. Und es ist auch kein persönliches Versagen. Es ist die Stimme unseres verletzten inneren Kindes.

Die Wurzeln im inneren Kind

Wenn wir als Kinder eine geliebte Person hatten, die uns verletzt, entwertet oder emotional nicht gehalten hat, entwickeln wir Überlebensstrategien. Das Kind denkt nicht: „Diese Person behandelt mich unfair.“

Es denkt:
„Wenn ich mich anpasse, werde ich geliebt.“
„Wenn ich mich klein mache, bleibe ich sicher.“
„Wenn ich keine Grenzen setze, werde ich nicht verlassen.“

Und genau dieses Programm läuft später im Erwachsenenalter weiter – besonders dann, wenn wir Menschen begegnen, die unbewusst dieselbe emotionale Energie ausstrahlen wie jene Person von früher.

Wenn sich alte Muster wiederholen

Eine Klientin erzählte mir einmal von einem Muster, das sie bis heute beschäftigt.

Während ihrer Führungszeit hatte sie eine Mitarbeiterin, die – gemäss ihrer Aussage – Gift streute, das Team manipulierte und eine Atmosphäre schuf, die sie tief verunsicherte.

Obwohl sie klar sah, was geschah, gelang es ihr als Führungsperson nicht, klare Grenze zu setzen, die eigentlich notwendig gewesen wäre.

Warum?

Weil in solchen Momenten oft nicht der erwachsene Mensch reagiert –
sondern ein altes, verletztes inneres Kind, das noch immer glaubt:
„Wenn ich es dieser Person recht mache, werde ich endlich geliebt.“

Heute versteht sie: Diese Mitarbeiterin war ein Stellvertreter. Eine Wiederholung. Ein Echo der Vergangenheit. Den Auslöser ihrer Ohnmacht und nicht die Ursache.

Und manchmal braucht es genau solche Echos, damit wir endlich hinschauen und beginnen zu heilen.

Der psychologische Hintergrund

Die Psychologie nennt das „Reinszenierung alter Bindungsmuster“. Spirituell könnte man sagen: „Das Leben zeigt dir so oft dieselbe Lektion, bis du sie verstehst und dann darf dein Herz heilen.“

Wenn wir diesen Mechanismus verstehen, beginnt sich etwas Entscheidendes zu verändern. Wir beginnen zu erkennen, dass wir nicht falsch sind. Dass wir nicht „schwach“ sind. Sondern, dass ein kleiner Anteil in uns immer noch versucht, eine alte Wunde zu schliessen.

Wie Hypnose und / oder EMDR dich unterstützen

Und genau an diesem Punkt können Hypnose und EMDR eine tiefgreifende Wirkung entfalten.

  • Hypnose ermöglicht, innere Programme umzuschreiben, alte Schlussfolgerungen zu lösen und neue Selbstbilder zu verankern.
  • EMDR hilft, die gespeicherten emotionalen Ladungen im Nervensystem zu verarbeiten, traumatische Erfahrungen zu integrieren und die alten Bindungsmuster zu beruhigen.

Wenn die alten Bilder heilen, wenn das innere Kind gesehen und getröstet wird, geschieht etwas Wunderschönes:

  • Es muss nicht mehr um Liebe kämpfen.
  • Es muss sich nicht mehr anpassen.
  • Es gewinnt Kraft – und ermöglicht dir als Erwachsene*r Entscheidungen, die aus innerer Freiheit kommen.

Einladung zur inneren Wahrnehmung

Mir ist wichtig: Das ist meine Wahrheit, mein Weg, mein Verstehen. Du musst nichts davon glauben. Prüfe einfach, ob etwas in dir darauf reagiert – im Denken, im Körper oder im Herzen.

Fazit

Wir wiederholen nicht, was wir verdienen – sondern was wir kennen. Doch alte Bindungsmuster dürfen sich lösen. Dein inneres Kind darf Frieden finden. Und du darfst lernen, Grenzen zu setzen, die dich schützen und DIR gut tun – ohne schlechtes Gewissen.

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⚓ Raum halten. Sicherheit geben. Veränderung begleiten.

Quellen

  1. Persönliche Erfahrung
  2. Eigene Praxiserfahrung
  3. Shapiro, F. (2014).
    The Role of EMDR in Medicine. Journal of EMDR Practice and Research, 8(3), 123–132.
  4. Carletto, S. et al. (2016).
    EMDR for Early Childhood Trauma: A Systematic Review. Frontiers in Psychology, 7, 1662.
  5. Schore, A. (2001).
    Effects of Secure Attachment on Right Brain Development. Infant Mental Health Journal, 22(1–2), 7–66.
  6. Siegel, D. (2012).
    The Developing Mind. Guilford Press.
  7. Ainsworth, M. (1979).
    Infant–Mother Attachment. American Psychologist, 34(10), 932–937.